Bayerische Bäcker wählen neuen Landesinnungsmeister
In Kirchdorf bei Freising drehte sich am Wochenende alles um das Bäckerhandwerk. Die Delegierten aus den bayerischen Innungen trafen sich in Schuhbauers Tenne zu ihrer zweitägigen Mitgliederversammlung. Am ersten Tag standen die Regularien und Zahlen im Mittelpunkt. Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger jr. und Geschäftsführer Stephan Kopp berichteten über die Arbeit des Verbandes und stellten die Zahlen und Entwicklungen des Verbandes und der verbandseigenen Bäckerakademie in Lochham vor und konnten auf sehr gute Ergebnisse verweisen.
Im Rahmen des Verbandstages konnten viele Ehrengäste aus Politik, Handwerk und Gesellschaft begrüßt werden. Neben dem Staatsminister Dr. Florian Herrmann, CSU, und dem Landtagsabgeordneten Benno Zierer von den Freien Wählern sowie dem Bundestagsabgeordneten Eckert und dem Landtagsabgeordneten Becher von den Grünen und dem Landrat von Freising, Helmut Petz, waren der bayerische Handwerkspräsident Franz-Xaver Peteranderl, der Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Jürgen Hinkelmann, der Verbandspräsident des Bayerischen Müllerbundes Rudolf Sagberger und sein Geschäftsführer Dr. Josef Rampl sowie der Landesinnungsmeister der Bayerischen Metzger, Konrad Ammon, der Landesinnungsmeister der Konditoren-Innung Bayern Josef Schwalber und die Geschäftsleiterin Daniela Sauer und weitere Vertreter aus Wirtschaft und Politik vor Ort.
In seiner Festrede sprach Traublinger vor allem zwei Ereignisse an – die Wahl Trumps und seine Entscheidungen im Amt sowie die Bundestagswahlen. Kritisch äußerte er sich zu den ersten Vereinbarungen in den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU und SPD und forderte mehr Einbeziehung der Arbeitgeberwünsche. So sprach er zum Beispiel das Arbeitszeitgesetz an, dessen Überarbeitung dringend notwendig sei. Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten forderten, so Traublinger, übrigens nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch viele Arbeitnehmer, die dadurch Arbeit und Privatleben besser in Einklang bringen können.
Traublinger sprach sich dafür aus, die Arbeit wieder lohnend zu machen und vor allem Vollzeitarbeitsplätze in den Fokus zu rücken. In diesem Zusammenhang sei ein Mindestlohn von 15 Euro/Stunde bereits im Sondierungspapier vereinbart. Die Position der CDU/CSU hierzu sei von Arbeitgeberseite wenig nachvollziehbar, da die Entscheidung nicht der unabhängigen Mindestlohn-Komission überlassen, sondern ideologisch beeinflusst werde. Die Formulierungen dazu im Sondierungspapier bezeichnet Heinrich Traublinger: „Das ist kein Wink mit dem Zaunpfahl – hier wird mit der ganzen Mauer gewedelt!“
Weiterhin thematisierte er die Bereiche Migration und Schuldenbremse. Natürlich gäbe es das Sprichwort, dass man das Geld zum Fenster hinauswerfen müsse, damit es zur Tür wieder hereinkäme. Diese Aussage sei nicht falsch, allerdings gebe es derzeit keine Pläne, wie die Wirtschaft mit dem Geld gefördert werden könne und deshalb auch keine Perspektive. Kritik äußerte er in diesem Zusammenhang auch an der geplanten Reichensteuer der SPD.
Positiv dagegen sieht er die geplante Entlastung bei der Stromsteuer, die gerade das Bäckerhandwerk dringend benötige. Auch eine angedachte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie wäre ein richtiger – allerdings bereits lange versprochener Schritt. Eine Umlegung und Weitergabe an die Kunden sieht er aktuell angesichts der Kostenbelastung nicht. Begrüßt werden vor allem die Gespräche zur Entbürokratisierung. „Die Lebensmittelhandwerke sind hier immer noch getrieben von Gesetzen, die vom Bund und auf europäischer Ebene erlassen werden.“
Die Belastungen auf die Bäcker werden darin deutlich, dass viele Betriebe wegen der Bürokratie schließen und die Gesamtbetriebszahlen in Deutschland auf unter 9000 gerutscht seien, machte Traublinger klar. Vor allem junge Leute würden heute aufgrund der Auflagen und bürokratischen Vorgaben den Schritt in die Selbstständigkeit nicht mehr wagen. So wünschte er sich, dass zum Beispiel der Freistaat Bayern für zwei Jahre auf die Erhebung der Statistiken verzichtet.
Staatsminister Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, zeigte in seiner Festrede viel Verständnis für die vorgetragene Kritik und gab einen Einblick in die Sondierungsgespräche, an denen er selbst in der Gruppe Entbürokratisierung teilgenommen habe. Er forderte allerdings auch das Vertrauen ein, dass in den anstehenden Koalitionsverhandlungen viel Positives für das Land umgesetzt werden könne. Vor allem unterstrich er, dass bei vielen Entscheidungen das Handwerk in den Prozess mit einbezogen werden müsse, um die Auswirkungen in der Praxis zu berücksichtigen. Vor allem Familienbetriebe würden langfristig investieren und seien auf zuverlässige Vorgaben angewiesen. „Ohne diesen starken Mittelstand gibt es nicht den Wohlstand in unserem Land“, so Dr. Herrmann. Er sprach sich dafür aus, der Wirtschaft mehr Raum und Freiheit zu geben. Der Staat dürfe nicht wegen wenigen Unrechtschaffenden die viele Rechtschaffenden mit Vorschriften erdrücken.
Seinen Blickwinkel auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte schilderte Zukunftsforscher Lukas-Pierre Bessis in seinem Vortrag „Kreativität, neueste Trends und Praxistipps“. Er zeigte den aktuellen Forschungsstand in der Robotik und Medizin auf und gewährte damit einen Einblick in eine mögliche Zukunft mit vielen technischen Errungenschaften durch Haushalts- und Pflegeroboter oder 3D-Druckern zur Produktion von körpereigenen Organen. Wichtig war ihm auch, deutlich zu machen, dass „wir heute in der besten Zeit der Menschheit leben, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt“. Perspektivisch sei es durchaus möglich, zukünftig mit neuen medizinischen Entdeckungen 200 Jahre alt zu werden und sich viel Arbeit durch roboter abnehmen zu lassen.
a Heinrich Traublinger aus persönlichen Gründen das Amt des Landesinnungsmeisters abgab, erfolgten Nachwahlen und wurde sein bisheriger Stellvertreter Günter Wagner zum Chef der Bayerischen Bäcker gewählt. Er freue sich auf das Amt und wisse um die großen Fußspuren der „Dynastie Traublinger“, die es nun zu füllen gelte. Als sein Stellvertreter wählte die Mitgliederversammlung Georg Schneider, stv. Obermeister der Bäcker-Innung Augsburg. Johannes Kroul, Obermeister der Bäcker-Innung Straubing-Deggendorf, wurde für Niederbayern in den Vorstand nachgewählt, da dieser Platz durch die Wahl Wagners frei war.
Erste Amtshandlung des neuen Landesinnungsmeisters war die Wahl und Ernennung von Heinrich Traublinger jr. zum Ehrenlandesinnungsmeister. Dieser dankte den Kollegen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit während seiner Amtszeit. Das Engagement für das Bäckerhandwerk sei eine Herzenssache gewesen.
Als neu gewählter Landesinnungsmeister konnte Günter Wagner abschließend einige Ehrungen vornehmen. So zeichnete er die bayerischen Landessiegerinnen der Bäckerjugend Luzie Feiler aus der gleichnamigen Bäckerei in Untersiemau bei Coburg und Nino Meladze von der Bäckerei Ziegler aus Gräfelfing aus.
Der nächste Verbandstag wird am 25./26. März 2026 in Neumarkt stattfinden. 2027 geht es dann nach Straubing.