Wunsch – Meisterschüler von 1959 besucht die Lochhamer Akademie

Franz Weinzierl ist 83 Jahre alt und hat sein Leben seiner Passion gewidmet: Er ist Bäckermeister

Neben seiner Familie füllte ihn dieser Beruf aus. Bis heute blickt er voller Freude, vielleicht auch ein bisschen wehmütig, auf die arbeitsreichen Jahre in seinem Betrieb zurück.
Eines beschäftigt ihn jedoch schon lange. 1959 besuchte er die Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks in Lochham. Damals hieß sie noch Bäckerfachschule. Er erlebte in Gräfelfing eine ebenso lehrreiche wie freundschaftliche Zeit mit seinen Mitschülern. Allesamt machten sie im Kurs M32 ihren Bäckermeister.

Heute ist seine Tochter Fachlehrerin in der Akademie. Sie unterrichtet die angehenden Fachverkäuferinnen. Seit Barbara Kettl in Lochham ihr Wissen weitergibt, wurde der Wunsch ihres Vaters immer größer, seine alte Meisterschule noch einmal zu besuchen. Barbara Kettl setzte alle Hebel in Bewegung, um das möglich zu machen.

Gut begleitet und herzlich Willkommen

Der Wunsch des 83-jährigen erfüllte sich am 02. März 2022. Gut organisierte helfende Hände und ein engagiertes Team ermöglichten ihm den Besuch an seiner alten Schule.
130 Kilometer fuhr der Arbeiter-Samariter-Bund Franz Weinzierl nach Lochham. Bequem und gut versorgt saß er in ihrem ‚Wünschewagen‘, einem Krankentransporter, der eingesetzt wird, um schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen besonderen Wunsch zu erfüllen. Das ASB Team fuhr Franz Weinzierl nicht nur vom niederbayerischen Wallersdorf nach Gräfelfing. Es begleitete ihn auch liebevoll bei seinem Besuch. Um diesen medizinisch gut abzusichern, kam auch die Gräfelfinger Allgemeinärztin Dr. Bettina Stüber in die Akademie und schaute auf das Wohl des pensionierten Bäckermeisters.

Schon am Eingang empfing ihn Schulleiter Dietmar Brandes und kleidete Franz Weinzierl erst einmal in eine Bäckerjacke, wie sie inzwischen alle Absolventen der Lochhamer Meisterschule bekommen: bestickt mit Vor- und Zunamen, der Kursnummer und dem Logo der Akademie. Das Bäckerschiffchen mit Akademielogo vervollständigte das Outfit des Bäckermeisters und schon ging es los.

Alte Erinnerungen und neue Technik

Franz Weinzierl war sichtlich beeindruckt von der inzwischen hochmodernen Ausstattung der Akademie. Backstuben, Labor, Konditorei, Holzofen, Bäckereifiliale mit Café und sogar die Unterrichtsräume schaute sich der Bäckermeister interessiert an. Dietmar Brandes führte ihn durch die gesamte Akademie und beantwortete alle Fragen. „Dieser Besuch hat mich sehr berührt“, erklärt Schulleiter Brandes. „Es ist ein Beispiel dafür, mit wieviel Herzblut Bäckermeister ihr Handwerk ausüben.“
Ein großes Hallo gab es in einer der Backstuben, als Franz Weinzierl dem aktuellen Meisterkurs M193 begegnete. Das weckte Erinnerungen an 1959. Die jungen Leute waren beeindruckt vom Meister im Ruhestand, tauschten sich mit ihm aus und zeigten ihm ganz praktisch, wie gut sie ihr Handwerk bereits beherrschen.

„Dieser Besuch war nicht nur für Franz Weinzierl sehr schön. Wir alle hatten ganz viel Freude“, berichtete Dietmar Brandes nachdem der Bäckermeister im ‚Wünschewagen‘ die Heimreise angetreten hatte. Zuvor bedankte sich Franz Weinzierl ebenso herzlich wie bewegt. Für ihn ist nicht nur ein letzter großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Franz Weinzierl war der Stolz auf seine Tochter anzusehen. Er ist begeistert, dass Barbara Kettl heute dort unterrichtet, wo er selbst seinen Meister gemacht hat.

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