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Das Bayerische Bäckerhandwerk informiert

23.04.2015
23.04.2015 00:00 Alter: 4 yrs
Kategorie: Pressebereich

PM 11/15: Lehrlingsaustausch mit Frankreich - Horizonterweiterung en francais


Gräfelfing. 5 junge Bäcker-Lehrlinge aus oberbayerischen Handwerksbäckereien sind Ende März für eine Woche in die Bretagne gefahren, um dort die beruflichen und kulturellen Besonderheiten des Bäckerhandwerks persönlich zu erfahren. Begleitet und betreut wurden sie von Florentine Schiemenz, die seit Mai 2014 in der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks Lochham als Fachlehrerin primär für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung zuständig ist. Gastgeber waren französische Bäckereien, die ihrerseits ihre Lehrlinge im November zum Gegenbesuch nach Bayern schicken. Möglich wurde das Ganze durch ein Partnerschaftsabkommen der bayerischen und französischen Handwerkskammern aus dem Jahr 1963. In dieses Abkommen ist seit einigen Jahren auch der Lehrlingsaustausch eingegliedert. Das Ausbildungssystem der Franzosen unterscheidet sich in vielen Punkten von unserem deutschen System: Zwar wird auch in Frankreich dual ausgebildet, den Part der schulischen Ausbildung übernehmen jedoch die Handwerkskammern mit ihren sehr gut ausgestatteten Werkstätten und Schulungsräumen. Der Lehrling ist dabei im Wechsel je zwei Wochen im Betrieb, dann je eine Woche in der Schule. Die erste Grundausbildung dauert zwei Jahre. Um ein ‚guter Bäcker‘ zu werden, muss man jedoch zwei weitere Ausbildungen von einem bzw. zwei Jahren absolvieren. Die volle Ausbildung dauert also fünf (!) Jahre. Danach kann man dann noch die Weiterbildung zum ‚maitre‘, also ‚Meister‘ absolvieren.

Die Herzlichkeit und Offenheit, mit der die bayerischen Lehrlinge im kleinen Städtchen ‚Quimper‘ empfangen und beschenkt wurden, war einzigartig. Der Austausch zwischen Lehrlingen, Lehrern, Eltern und den Bäckern in den Betrieben war sofort sehr intensiv und unkompliziert. Die Teilnehmer bekamen sofort das Gefühl, tatsächlich am Leben der französischen Gastfamilien teilzunehmen. Besonders bemerkenswert war das respektvolle Interesse, das die ‚Erwachsenen‘ den ‚Jugendlichen‘ entgegenbrachten.

Der französische Bäckermeister und Ausbilder M. Jean-Yves Guezengar zeigte den jungen Leuten die Geheimnisse der Croissant- und Baguette-Herstellung sowie die Herstellung verschiedener bretonischer Spezialitäten wie z.B. der ‚Kouign Amman‘, ein sehr reichhaltiger und sehr karamelliger Butterkuchen. Die Gäste aus Bayern empfanden das als große persönliche Bereicherung! In den Betrieben eröffneten sich den Lehrlingen die Unterschiede in Größe, Sortiment, Ausstattung und Arbeitszeiten der bretonischen Bäckereien. Zum Beispiel darf sich in Frankreich eine Bäckerei nur ‚Artisan Boulangerie‘ (= Handwerks-Bäckerei) nennen, wenn sie sämtliche Produkte in allen Arbeitsschritten selbst herstellt, wobei lediglich Teiglinge der Feinbäckerei gefrostet werden dürfen. Die Kontrollen hierfür sind streng. Eine Filialisierung der Handwerks-Bäckereien wie in Deutschland gibt es nicht. In der Regel findet sich hinter jedem Laden die Backstube. Weil auch das Sortiment der Franzosen deutlich schmäler ist, findet man kaum eine Backstube, in der der erste Bäcker bereits vor 1 Uhr erscheint. Auszubildende beginnen grundsätzlich nicht vor 6 Uhr, bei Volljährigkeit nicht vor 5 Uhr.

Unisono konnte festgestellt werden, dass der Stolz der Bretonen auf ihre Herkunft durchaus mit dem unserer bayerischen Landsleute mithalten kann.


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     Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Filter
     Tel.: 089 544213-0
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