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Chronik

der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks

Keimzelle der Akademie ist die Bayerische Bäckerfachschule. Sie konnte 2001 ihr 50jähriges Jubiläum begehen. Der Gründungsbeschluss wurde am 25. Januar 1949 im geschäftsführenden Vorstand des Landes-Innungsverbandes für das bayerische Bäckerhandwerk (LIV) gefasst. Am 20. April 1949 wurde dieser Beschluss von der Obermeistertagung aller bayerischen Bäcker-Innungen gebilligt. Zugleich wurde beschlossen, dass die Innungen zur Finanzierung des Bauprojektes vorübergehend pro Mitglied jährlich 1 DM an den LIV zu zahlen hatten. Baubeginn war im Frühjahr 1950. Baufertigstellung war im Herbst 1950, die Eröffnung der Schule im März 1951.

Der Gründungsbeschluss für Lochham

Treibende Kraft zur Errichtung einer eigenen gehobenen Bildungsstätte für das bayerische Bäckerhandwerk war der damalige Landesinnungsmeister Hans Schiedermeier, unterstützt durch seine Kollegen im geschäftsführenden Vorstand, allen voran Obermeister Max Bauer aus München.

Die Bäcker-Innung München, Eigner des Waldheim-Geländes, stellte dem Landes-Innungsverband für die Errichtung einer Fachschule eine 2.041 qm große Fläche der bis dahin erworbenen 46 Tagewerke zur Verfügung. Die Grundübereignung des Grundstücks wurde mit der Unterzeichnung eines Erbbaurechtsvertrages besiegelt, da ein käuflicher Erwerb des benötigten Grundstücks aufgrund der Einbettung in das Gesamtareal und der Verbindung mit dem Walderholungsheim nicht möglich war.

Ende November 1949 wurden die Baupläne bei der Gemeindeverwaltung Gräfelfing zur Vorbehandlung in Vorlage gebracht. Das Gebäude maß 29 Meter Länge und 12,86 Meter Breite. Es handelte sich, in damaliger Ausdrucksweise, "um ein in einfacher, aber zweckmäßiger Form gehaltenes Gebäude..., das nach Fertigstellung zweifellos einen gediegenen Gesamteindruck machen wird". Die Genehmigung der eingereichten Baupläne erfolgte am 19. Januar 1950.

Grundsteinlegung, Baumaßnahmen und Eröffnung

Der Baubeginn erfolgte in der ersten Märzwoche des Jahres 1950. Die Grundsteinlegung fand am Mittwoch, den 12. April 1950 im Beisein des Münchner Oberbürgermeisters a.D. und Bäckermeisters Dr. h.c. Karl Scharnagl statt. Am 22. Juni war Hebweihfeier. Die offizielle Einweihungsfeier fand am 14. März 1951 statt; der erste Meistervorbereitungskurs startete am 02. April 1951. Die Unterbringung der Kursteilnehmer erfolgte im benachbarten Waldheim, welches Anfang des Jahrhunderts erbaut wurde und als Ferienaufenthalt für die Kinder der Berufsangehörigen des Münchner Bäckerhandwerks und auch als Erholungsstätte für die Berufskollegen diente.

Die Bauerweiterungen

Über 20 Jahre lang genügte die Anfangskonzeption voll und ganz den Ansprüchen, zumal der Landes-Innungsverband ständig besorgt war, die Ausstattung den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Im Gleichschritt mit dem Verband verbesserte auch die Bäcker-Innung München die Wohnverhältnisse im Waldheim von Jahr zu Jahr. In den 70er-Jahren allerdings tauchten ernste Probleme auf – sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Hinblick auf die Ausstattung des Waldheims. Das langjährige Suchen nach Lösungsmöglichkeiten beendete der Landes-Innungsverband 1976 mit der Entscheidung, die Bäckerfachschule in Lochham baulich zu erweitern und dadurch die bestehenden Probleme der Unterkunft und der Verpflegung zu lösen. Für die Erweiterung des Schulgebäudes wurde der Erbbaurechtsvertrag von ursprünglich 50 Jahre auf 95 Jahre Laufzeit erweitert. Der neue Vertrag beinhaltete eine Erweiterung der Erbbaufläche auf 3.480 m². Er wurde am 11.06.1979 notariell beurkundet.

Die Baumaßnahmen wurden 1981 fertiggestellt. Sie erweiterten den Grundbau an der Ostseite um etwa 14 Meter. Im Kellergeschoss des Anbaus befindet sich der Verkaufs-Schulungsraum mit eingebautem Musterladen. Im Erdgeschoss wurde der große Lehrsaal für den Theorieunterricht mit entsprechenden Vorbereitungsräumen eingerichtet und darüber der Küchentrakt mit dem Ess- und Aufenthaltsraum. Die ursprünglich im ersten Stock des alten Traktes errichteten Gästezimmer für Erholungsurlauber aus den Mitgliedsinnungen des Verbandes wurden durch Internatszimmer (Einbett- und Zweibettzimmer) für die Beherbergung der Kursteilnehmer ersetzt. Das Dachgeschoss erfuhr einen kompletten Ausbau mit Dachgauben, in die ebenfalls Internatszimmer eingebaut wurden. An der Ostseite des Obergeschosses wurde eine Hausmeisterwohnung eingerichtet.

Schließlich konnte das erweiterte Gebäude am 20. Oktober 1981 vom damaligen bayerischen Landesinnungsmeister und Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Hans Baum, in festlichem Rahmen eröffnet werden.

Eine neuerliche Erweiterung der Bäckerfachschule erfolgte im Jahre 1993, nachdem bereits ein Jahr zuvor der Anschluss der Schule an das neugebaute Kanalisationsnetz der Gemeinde Gräfelfing durchgeführt wurde. Die technische Entwicklung in Form der Kältetechnik forderte ihren Tribut. Schon längst hatte sie überall ihre Spuren hinterlassen. Der Kühltisch, der noch zu Zeiten des Erstbaus mitten im Feinbackraum gestanden hatte und nach dem Frigidaire-Verfahren tiefgekühlt wurde, war schon lange verschwunden und durch angrenzende Kühlräume und zusätzlich eingestellte Tiefkühlschränke ersetzt worden. Mit der Teiglingstechnik wurde nun dem Bäckerhandwerk eine revolutionäre Entwicklung aufgezwungen.

Eine Erweiterung der Räumlichkeiten war jedoch nicht so einfach möglich, da das Areal mittlerweile zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden war. Deshalb wurde angrenzend an die Ofenfront ein Wanddurchbruch geschlagen und daran eine mit einer baulichen Außenhaut ummantelte Tiefkühl-Lagerzelle gestellt. Dieser Minimalanbau wurde so konstruiert und verkleidet, dass er sich optisch in den bestehenden Bau einfügt und somit auch die Bedürfnisse des Landschaftsschutzes berücksichtigt. In Kombination mit dem im Innenraum installierten Schockfroster ist es seit 1993 möglich, in der Bayerischen Bäckerfachschule die Tiefkühltechnik und Teiglingsproduktion im Kursbetrieb zu berücksichtigen. In den nachfolgenden Jahren schlug sich die Dominanz der Kühl- und Frostertechnik zunehmend auch in der maschinellen Ausstattung der Schule nieder.

Die jüngste Erweiterung der Schulungskapazitäten wurde Ende des Jahres 2003 in Angriff genommen. Ergänzend zur Bäckerei und Konditorei im Erdgeschoss wurde im Kellergeschoss eine zweite Backstube eingerichtet. Die maschinelle Ausstattung wurde im Sommer 2004 abgeschlossen. Damit kann die Lochhamer Akademie der erweiterten Nachfrage nach Fachkursen nachkommen und beim Kursbetrieb nunmehr – wie zuvor schon im Theoriebereich - auch im praktischen Bereich zweigleisig fahren.

Der Kursbetrieb

Die Bayerische Bäckerfachschule Lochham nahm am 02. April 1951 mit dem ersten Vorbereitungskurs auf die Meisterprüfung ihren Kursbetrieb auf. 32 Kursteilnehmer unterzogen sich der achtwöchigen fachtheoretischen und fachpraktischen Unterweisung und legten bis zum 26. Mai mit zum Teil sehr guten Ergebnissen ihre Meisterprüfung ab. Die Gebühr für diesen achtwöchigen Kurs betrug damals 430 DM. Wie schon damals sind die Meistervorbereitungskurse auch heute die Schwerpunkte des Lochhamer Kursbetriebs. Im Jahr 1951 wurden insgesamt vier Vorbereitungskurse durchgeführt. Dazwischen wurden ein zweiwöchiger Kurs für Verkäuferinnen (Kursgebühr 110 DM) und ein einwöchiger Feinbackwarenkurs für Fortgeschrittene (Kursgebühr 70 DM) veranstaltet.

Meisterkurse

Im Laufe der Zeit wurden Inhalt und Dauer der Meistervorbereitungskurse an die aktuellen Entwicklungen angepasst. Heute beträgt die Kursdauer 25 Wochen, die Teilnehmerzahl pro Kurs ist 24. Aus den 430 DM Kursgebühren von 1951 sind mittlerweile 5.800 Euro geworden. Seit Herbst 1999 wird die Meisterausbildung mit der Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks kombiniert. Dies bedeutete eine Erweiterung der bis dahin gut 800 Stunden Meisterkurs durch 500 Stunden spezielle Unternehmerschulung. Von diesen zusätzlichen 500 Stunden werden 250 Stunden in Lochham unterrichtet, die übrigen 250 Stunden in der Akademie für Unternehmensführung der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Seit dieser Zeit heißt die Lochhamer Schule Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks, womit die spezielle Ausrichtung des Kursbetriebs auf den Unternehmernachwuchs deutlich gemacht werden soll.

Fachseminare

Neben den Meistervorbereitungskursen wurden und werden zahlreiche fachpraktische, verkaufstechnische und auch betriebswirtschaftliche Seminare durchgeführt. In den Anfangsjahren waren dies entsprechend der Nachfrageentwicklung vorwiegend Feinbacklehrgänge. Auch die Notwendigkeit der Schulung der Verkaufskräfte wurde von Anfang an gesehen und im Kursprogramm hierfür ein entsprechendes Angebot geschaffen. In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre kamen dann die sogenannten Lehrlingswochen für Bäckerlehrlinge hinzu. Als dann der Bundeswirtschaftsminister ab 1969 auch für Fachverkäuferinnen-Lehrlinge überbetriebliche Unterweisungslehrgänge bezuschusste, wurden auch diese in Lochham angeboten. Daneben wurden immer wieder Seminare für Fachlehrer veranstaltet. Eine Ergänzung fand der Kursplan mit Seminaren über Brotspezialitäten und Diätgebäcke.

Betriebwirtschaftliche Seminare

Die anfangs nur sporadisch angebotenen betriebswirtschaftlichen Seminare wurden mit Beginn der 80er-Jahre verstärkt in das Kursprogramm aufgenommen. Zeitgleich setzte eine deutliche thematische Ausweitung der Lochhamer Seminare - sowohl im fachpraktischen Bereich als auch auf den Gebieten der Verkaufsschulung und der Vermittlung von Unternehmensführungskenntnissen - ein. Die nächste Expansion erfolgte dann Ende der 80er- / Anfang der 90er-Jahre, als verstärkt dazu übergegangen wurde, im Kursbetrieb zweigleisig und zum Teil in neuerer Zeit dreigleisig (d. h. drei Kurse zeitgleich) zu fahren. Seit Mitte der 90er-Jahre setzt sich in den Betrieben zunehmend das Bewusstsein um die Notwendigkeit der überbetrieblichen Unterweisung sowohl für Bäckerlehrlinge als auch für Verkaufslehrlinge durch. Hier liegt seit neuestem eindeutig das Schwergewicht bei den Teilnehmerzahlen.

"Meisterschmiede" des bayerischen Bäckerhandwerks

In den mehr als 50 Jahren des Lochhamer Kursbetriebs haben etwa 17.000 Besucher an den Lochhamer Veranstaltungen teilgenommen. Mit über 5.000 Meisterschülern wird die Bayerische Akademie ihrem Ruf als "Meisterschmiede" des bayerischen Bäckerhandwerks voll gerecht. Dabei ist das Wort "Schmiede" jedoch nicht im Sinne von genormter Massenabfertigung zu verstehen, sondern im Sinne einer handwerklichen Tradition. An zweiter Stelle der Frequentierungsliste liegen die Lehrgänge der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung, gefolgt von den fachpraktischen Kursen, den Verkaufsseminaren und den betriebswirtschaftlichen Kursen. Besonderes Qualitätsmerkmal der Bayerischen Bäckerfachschule ist, dass bei der Vielzahl der Seminare neben der eigenen Fachlehrermannschaft immer wieder Gastreferenten eingesetzt wurden und werden, die Spezialwissen vermitteln und auch den berühmten Blick über den Tellerrand gewährleisten. Aktuell beschäftigt Lochham zwischen 15 und 20 „Fremdreferenten“.

Mitglied im ADB-Verbund

2006 war Lochham Gründungsmitglied der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk (ADB). Damit entstand ein leistungsfähiger Verbund der führenden Fachschulen und der Betriebsberatungen der Innungsverbände im Interesse aller Innungsbäckereien.


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